Die Deklination der Eigennamen


Die Deklination der Eigennamen
§ 40. Die Personennamen (Vor- und Familiennamen) werden meistens ohne Artikel gebraucht und bekommen nur im Genitiv eine Endung, nämlich die Endung -s.
In Erwins Kopf verhallte das letzte Echo: „Schluß!“ (A. Seghers)
Als Emmis Bruder dreimal statt zweimal gepfiffen hatte, war ihm selbst die Angst in die Knochen gefahren. (A.( Seghers)
Christines Hände waren breit und rauh... (J. R. Becher)
Lenore hatte noch nie Livens Handschrift gesehen. (A. Seghers)
Er trat an das Bett des kleinen Kranken und legte ihm ein dickes Buch in den Schoß: „Grimms Märchen“... (W. Bredel)
In den übrigen Kasus bleiben die Personennamen unverändert.
Er sagte zu Franz: „Das wenigstens kann uns niemand nehmen.“ (A. Seghers)
Carl hatte Frieda wiederholt zu einem Abendausgang einladen wollen... (W. Bredel)
Durch Paul Papke und Carl Brenten bekam der Verein ein völlig neues Gesicht. (W. Bredel)
Statt des Genitivs steht häufig die präpositionale Wendung mit von.
Er schlüpfte im Rücken von Martin in einen Torbogen. (A. Seghers)
Was er jetzt in die Finger bekam, war ohne Zweifel ein Gruß von Paul. (A. Seghers)
Man gebraucht zuweilen die Personennamen mit dem bestimmten Artikel, um den Kasus oder das Geschlecht (manchmal beides) zu bezeichnen, besonders oft in der Umgangssprache mit familiärem Beiklang. In diesem Falle bekommt der Eigenname auch im Genitiv keine Endung.
Er sagte: „Sie sind doch die Frau von dem Hermann?“ (A. Seghers)
Die Rüscher seufzte still in sich hinein. (W. Bredel)
So verlief der Rüscher Alltag. (W. Bredel)
Aus ihren Aussagen war die Flucht des Heisler bis gestern Mittag entnehmbar, woraus auf seinen weiteren Weg zu schließen war. (A. Seghers)
§ 41. Männliche Personennamen, die auf einen Zischlaut (s, ß, x, z) ausgehen, bekommen die Genitivendung -ens (das gilt besonders für Vornamen) oder werden mit der Präposition von gebraucht.
Er ging nachlässig und ungleichmäßig, während Hansens schlanke Beine in den schwarzen Strümpfen so elastisch und taktfest einherschritten... (Th. Mann)
So eifrig auch Marx-Biographen nach Marxens Prager Freund und Gastgeber Max Oppenheim geforscht haben, sie fanden nicht einmal die Adresse. (E. E. Kisch)
Erstaunlich, wie Timm die Werke von Marx kannte... (W. Bredel)
Bei diesen Personennamen verwendet man zur Kennzeichnung des Genitivs zuweilen auch den Apostroph.
Schilling fingerte an Hans' Gürtelschnalle. (A. Seghers)
Denn dieser andere Band... war 1889 erschienen, also mehr als zwölf Jahre nach Marx' letztem Besuch in Böhmen. (E. E. Kisch)
Das feste rote Gesicht Castricius' verzog sich wieder in zahllose Fältchen... (A. Seghers)
Auch weibliche Vornamen auf -e können die Genitivendung -ens annehmen. (Vgl. auch § 40.)
Hans... zog an Mariens Schopf, der hell aus der Decke heraussah. (A. Seghers)
... der Abend in Emiliens Hofzimmer verursache ihm dieselben Unkosten wie ein Abend in einem ordentlichen gepflegten Haus... (A. Seghers)
§ 42. Namen aus fremden Sprachen (meist griechische und lateinische auf -s) werden im allgemeinen nicht verändert und stehen dann mit dem bestimmten Artikel.
„Der Ring des Polykrates“ von F. Schiller.
Cäsar läßt dem Antonius ausrichten, er werde nicht in den Senat gehen. (B. Brecht)
Sein Pferd anhaltend, erkannte er den Sokrates in ihm... (B. Brecht)
In den Ecken standen Büsten des Aristophanes, des Moliere, des Voltaire und des Hausherrn. (L. Feuchtwanger)
Dagegen habe ich an den Novellen des Cervantes einen wahren Schatz gefunden... (J. W. Goethe)
§ 43. Von zwei oder mehreren Namen einer Person bekommt nur der letzte die Genitivendung: Friedrich Schillers Balladen — die Balladen Friedrich Schillers. Auch: die Balladen von Friedrich Schiller. „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ von J. W. Goethe.
Carl Brentens Selbstbewußtsein wuchs an diesem Abend ungeheuer. (W. Bredel)
Ambrust bewohnte das große Zimmer in Frieda Brentens Wohnung... (W. Bredel)
Man erlaube mir, in einer kurzen Übersicht den siegreichen Marsch Gustav Adolfs zu verfolgen... (F. Schiller)
Familiennamen mit einer Präposition werden in der Regel dekliniert: die Opern Carl Maria von Webers.
Dieter von Eckstädts hageres, eckiges Gesicht war jetzt bis auf ein ganz feines, zynisches Lächeln wieder beherrscht. (F. Erpenbeck)
§ 44. Wenn beim Personennamen ein Attribut steht (außer wenn es ein adjektivisches Pronomen ist), so wird er mit dem bestimmten Artikel gebraucht; im Genitiv bekommt der Personenname meist keine Endung.
Man versicherte den kleinen Johann, daß dieser Mann ihm viel Gutes tue... (Th. Mann)
Thomas Buddenbrook war in seinem Herzen nicht einverstanden mit dem Wesen und der Entwicklung des kleinen Johann. (Th. Mann)
Der Sohn des alten Wilhelm Liebknecht... , Karl Liebknecht, kandidierte in Potsdam... (W. Bredel)
Des alten Hardekopfs Tränen waren Tränen der Freude... (W. Bredel)
Um einen Ton bleicher ist das Gesicht dieses Wallau geworden... (A. Seghers)
§ 45. Falls vor dem Eigennamen noch ein Gattungsname (Titel, Berufs- oder Verwandtschaftsbezeichnung) als Apposition gebraucht wird, so kann sowohl der Eigenname als auch der Gattungsname als Träger der Endung auftreten.
Hierbei sind zwei Fälle zu unterscheiden:
a) stellt der Gattungsname mit dem Artikel (bzw. mit einem Pronomen), so bekommt er die Genitivendung, und der Eigenname bleibt endungslos;
Das Ansehen des Chauffeurs Gustav Becker war in der Küche gestiegen... (A. Seghers)
Dann wurde ihm klar, daß ihn der Bursche des Hauptmanns Kashevnikow aufgeweckt hatte. (A. Seghers)
Seit jenem ersten Besuch ihres Bruders Emil und seiner Frau hatte sie nichts mehr von den beiden gehört... (W. Bredel)
b) steht aber der Gattungsname ohne Artikel, so bekommter keine Endung, und der Eigenname wird dekliniert.
Marie händigte ihr die Stücke aus, die sie für Tante Emiliens Werkstatt zu nähen pflegte. (A. Seghers)
Durch Dusels Tod war der „Sturz“ Professor Waldvogels... hinausgezögert worden. (J. R. Becher).
Die Substantive Genosse, Kollege und Herr vor Eigennamen werden auch im artikellosen Gebrauch dekliniert:
„Ich glaube, ich handle richtig, wenn ich Kollegen Sinder Gelegenheit gebe, darauf zu erwidern...“ (W. Bredel)
Manchmal fand der Unterricht in Herrn Pfühls Hause statt. (Th. Mann)
Manche Substantive, gebraucht man als Apposition zum Eigennamen meist ohne Artikel. Das sind: Professor, Doktor, Direktor, Lehrer, Kapitän, Marschall, Fräulein, Frau u. a.
Von Direktor Förtsch bekam ich ein Buch... (J. R. Becher)
... Fräulein Klärchens Stimme gebot Frieden. (J. R. Becher)
§ 46. Wenn ein Substantiv, ein Adjektiv oder ein Ordnungszahlwort nach dem Eigennamen steht und mit diesem eine begriffliche Einheit bildet, so wird es ebenfalls dekliniert.
Die einzige Erbin Karls des Kühnen, Maria, ... beschäftigte jetzt die Erwartung der ganzen damaligen Welt. (F. Schiller)
Höher war die österreichische Macht nie gestanden, als nach dem Siege Karls des Fünften bei Mühlberg. (F. Schiller)
Bei seinem Sohn und Nachfolger Philipp dem Zweiten vereinigte sich eine mönchische Erziehung mit einem despotischen finstern Charakter... (F. Schiller)
§ 47. In der Deklination der Personennamen kommt die Tendenz der deutschen Sprache zur Monoflexion zum Ausdruck, d. h. die Tendenz, die mehrmalige Bezeichnung von Kasus und Geschlecht zu vermeiden. Als Träger der Endung können verschiedene Glieder der Substantivgruppe auftreten, vgl.: Pauls Bücher, die Bücher des kleinen Paul, Friedrich Schillers Balladen. In der ersten Wortgruppe tritt der Vorname als Träger der Endung auf, in der zweiten der bestimmte Artikel, in der dritten der Familienname.
§ 48. Geographische Eigennamen. Die meisten Städte- und Ländernamen, auch die Benennungen der Inseln, Halbinseln und Erdteile sind sächlichen Geschlechts und werden artikellos gebraucht. In der Deklination weisen sie viel Ähnlichkeit mit der Deklination der Personennamen auf. Gleich diesen erhalten sie die Genitivendung -s und bleiben in allen anderen Kasus unverändert.
...Moskaus Stimme vernahmen rund um den Erdball die Menschen in allen Breitengraden. (W. Bredel)
In diesem Sommer tobten auf den Feldern und in den Städten Frankreichs, Belgiens und Hollands blutige Schlachten. (W. Bredel)
Nur ab und zu war von dem „Auswanderer“ die Rede. Der befand sich in Java. (J. R. Becher)
... man kehrte nach Haiti zurück, um sich auszuruhen... (A. Seghers)
Statt des Genitivs kann die präpositionale Wendung mit von gebraucht werden.
... aber das Volk von Madrid verweigerte ihnen den Zutritt.... (W. Bredel)
Wenn der Eigenname auf einen Zischlaut ausgeht, so kommt nur die präpositionale Wendung mit von in Frage.
Anderntags zogen die Bürger von Paris auf die Plätze ihrer Stadt. (W. Bredel)
Anmerkung. Auf die Frage wo? gebraucht man die geographischen Namen sächlichen Geschlechts mit der Präposition in, auf die Frage wohin? mit der Präposition nach.
Und aus Berlin? Was tut sie in Berlin? Wie kommt sie nach Berlin? (Th. Mann)
§ 49. Wenn bei den obengenannten geographischen Namen ein Attribut steht, werden sie mit dem bestimmten Artikel gebraucht. Im Genitiv bekommen sie die Endung -s oder bleiben endungslos. Neuerdings setzt sich immer mehr der Gebrauch des Genitiv-s durch, besonders bei Ländernamen.
In Scharen strömten aus allen Teilen Deutschlands Touristen herbei, die noch einmal die „Romantik“ des alten Hamburg genießen wollten. (W. Bredel)
Thälmann, das war für sie der Begriff des anderen, des brüderlichen Deutschlands, des Deutschlands von Marx und Engels, Goethe und Schiller... (W. Bredel)
§ 50. Die Adjektive ganz und halb werden mit Städte- und Ländernamen sowie mit Benennungen von Kontinenten meist in. der Kurzform gebraucht; der geographische Name steht dann artikellos.
Er war mit dem Herrn durch ganz Europa gezogen, von der Westfront nach Galizien, von Ostpreußen auf den Balkan. (A. Seghers)
Ganz Berlin, wird es morgen in den Zeitungen heißen, war gekommen, Sophienburg einzuweihen. (L. Feuchtwanger)
§ 51. Die Orts- und Ländernamen weiblichen und männlichen Geschlechts sowie die Namen der Berge, Flüsse, Seen u. a. werden mit dem Artikel gebraucht und wie Gattungsnamen dekliniert.
Ich kann nicht umhin, hier ebenfalls anzudeuten: daß der Oberharz, jener Teil des Harzes, den ich bis zum Anfang des Ilsetals beschrieben habe, bei weitem keinen so erfreulichen Anblick... gewährt... (H. Heine)
Auf dem Rhein tuteten die Nebelhörner. (A. Seghers)
Männlich bzw. weiblich sind folgende Orts- und Ländernamen: der Iran (auch: Iran), der Irak (auch: Irak), der Kaukasus, die Sowjetunion, die Krim, die Ukraine, die Arktis, die Schweiz, die Normandie, die Pfalz, die Mongolei, die Tschechoslowakei, die Türkei.
Merke folgende geographische Namen:
Namen von Flüssen: Die Angara, die Newa, die Wolga, die Dwina, die Moskwa, die Desna, die Lena, die Oka, die Donau, die Oder, die Elbe, die Seine, die Themse, die Weser, die Spree, die Wisla, der Amu-Darja, der Don, der Amur, der Dnepr, der Jenissei, der Ob, der Rhein, der Main, der Neckar, der Nil, der Kongo, der Mississippi, der Ganges; Namen von Seen: der Baikal(see), der Ladogasee, der Onegasee, der Aralsee, der Genfer See, der Bodensee; Namen von Bergen: der Kaukasus, der Elbrus, der Kasbek, der Altai, der Ural, der Harz, der Brocken, der Vesuv, die Alpen, die Karpaten, die Apenninen, die Pyrenäen, die Sudeten, die Vogesen.
§ 52. Titel von Büchern, Filmen, Zeitungen, Benennungen von Gestirnen, Schiffen usw. stehen mit dem Artikel und bekommen im Genitiv meist keine Endung.
Als ich den Aufsatz über Heinrich Mann vorbereitete, lag mir die Erstausgabe des „Untertan“ vor. (R. Leonhard)
Walter erinnerte sich an ein Wort von Karl Marx im „Achzehnten Brumaire“... (W. Bredel)
Die schöne Laune... führte sie eines Abends in den Lohengrin. (H. Mann)
Otto wandte den Blick vom Fluß und sah zu den Sternen hinauf. „Das ist die Venus“, sagte er, auf einen flimmernden Stern weisend. (W. Bredel)
Aber auch:
„Im Zeichen des Saturns, da passiert immer was.“ (A. Seghers)
Der Titel bleibt unverändert, wenn ein Gattungsname davorsteht.
Doch er hatte... die Komödie „Der Barbier von Sevilla“ unlängst erst im Theatre Francais gesehen... (L. Feuchtwanger)
Er ... schiffte sich... am 23. August auf dem Dampfboot „Neptun“ nach England ein. (W. Joho)

Грамматика немецкого языка. 2-е издание. .

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